»Naturschutzbeiräte« sind in der Regel politisch besetzte Gremien, die, wenn’s drauf ankommt, immer »pro Autobahn« entscheiden. So auch in Kärnten. Die Verordnung lautete: Das Naturschutzgebiet soll Naturschutzgebiet bleiben – mit Ausnahme der Autobahntrasse. Um die Unsinnigkeit dieser Regelung bewußt zu machen, schlug der Verkehrsplaner Hermann Knoflacher vor: »Der Landeshauptmann soll Landeshauptmann bleiben, mit Ausnahme eines 2 mm breiten Streifens zwischen Kopf und Rumpf.« Da war man beleidigt.
Diese Geschichte ist charakteristisch für Knoflachers Fähigkeit, komplexe Sachverhalte allgemeinverständlich auf den Punkt zu bringen. Der Verkehrsplaner, Mobilitätsforscher, Mathematiker, Philosoph und Praktiker Hermann Knoflacher vermeidet den Jargon, die Expertensprache, diese Verhinderung der Kommunikation im Sinne des alten Obrigkeitsdenkens. »Wenn ein Mensch verantwortlich sprechen will«, meinte Sir Karl Popper einmal, dann »muss er so reden, dass man ihm nachweisen kann, dass er etwas Falsches gesagt hat«. Genau so redet – und schreibt – Hermann Knoflacher. Und so plant er auch: für den Menschen, nicht für die Maschine, nicht für das Auto, das er »Stehzeug« nennt. »Stehzeug« zu Recht, ist es doch üblich, ein Gerät, dass zu 99 % eine bestimmte Funktion ausübt, auch danach zu benennen und nicht nach einer Funktion, zu der es weniger als 1 % eingesetzt wird. In der Tat ist das Auto die ineffizienteste Maschine des Industriezeitalters.
n einer präzisen Analyse räumt der interdisziplinär denkende Knoflacher in »Stehzeuge« zunächst mit all jenen Mythen und falschen Annahmen auf, die noch immer die Gehirne von einschlägigen »Experten« und von Politikern vernebeln, etwa die Mär vom »Mobilitätswachstum« oder die irrige Vorstellung, man könnte durch Geschwindigkeitssteigerung Zeit sparen. Knoflacher thematisiert aber auch unsere grundsätzliche Schwierigkeit im Umgang mit komplexen Systemen.
Normalerweise vertrauen wir unseren Sinnen, aber die Systemwirkungen unterscheiden sich fast immer von der persönlichen Erfahrung. Wer sich aber dieses evolutionär bedingte Handicap und seine Implikationen bewusst macht, dem erschließt sich eine neue Welt. Für das Verständnis von Knoflachers ganzheitlichem Ansatz ist das ganz entscheidend.
Aufbauend auf seine klare Kritik und Widerlegung der falschen Annahmen, denen die rein technikorientierten Planer folgen, zeigt Hermann Knoflacher, der weltweit als Lehrender und Praktiker gefragt ist, wie die Strukturen des Verkehrssystems so verändert und beherrscht werden können, dass sie wieder dem Menschen und der regionalen und lokalen Wirtschaft dienen.
Das mit teils erheiternden Zeichnungen des Autors versehene Buch ist kurzweilig zu lesen und Seite für Seite erhellend, zumal Knoflachers genaue Systemkenntnis der Leserin und dem Leser die Wechselwirkungen des Verkehrssystems mit allen übrigen Bereichen unserer Gesellschaft erschließt und so Wege aus der »Autofalle« nicht nur sichtbar, sondern im wahrsten Sinne des Wortes auch begehbar macht. (Moreau)